Bezirksverband Spandau der Kleingärtner e. V.

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Verfasst am 26.01.2022 um 15:00 Uhr

Stadtnatur-Rangerinnen auf Schatzsuche    

Kleingärtner und Stiftung Naturschutz erfassen Vorkommen von Amphibien    

Inmitten der versiegelten Innenstadt Berlins stellen Kleingartenanlagen einen bedeutenden Rückzugsort für viele, oft auch selten gewordene, Tiere und Pflanzen dar. Ganz besonders im dicht besiedelten Bezirk Mitte bilden Kleingärten mit Teichen wertvolle Oasen, die eine wichtige Überlebensfunktion für Amphibien wie Frösche, Kröten und Molche besitzen können.


Doch welche Amphibienarten quaken eigentlich in Berliner Kleingärten? Wir, die Stadtnatur-Rangerinnen des Bezirks Mitte, haben uns in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzamt auf Spurensuche begeben und in der Dauerkolonie Rehberge genauer nachgefragt.


Zwischen März und August des letzten Jahres haben wir die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner dazu aufgerufen, in ihren Parzellen nach Amphibien Ausschau zu halten, die Tiere mit Hilfe eines Beobachtungsbogens zu bestimmen und uns ihre erhobenen Daten zur Verfügung zu stellen. Begleitend waren wir in diesem Zeitraum jeden Monat ein ganzes Wochenende mit einem Informationsstand vor Ort in der Kolonie, um Fragen der Gartenfreunde zu beantworten und sie beim Ausfüllen der Beobachtungsbögen zu unterstützen.


Wertvolle Ergebnisse dank großer Hilfe

Mit der Hilfe der Gartenfreunde konnten wir feststellen, dass Erdkröte, Grasfrosch, Knoblauchkröte, Teichfrosch und Teichmolch zu den amphibischen Besuchern in den Gärten der Dauerkolonie gehören. Auch in den kleineren Gewässern des Landschaftsschutzgebietes Rehberge und des Schulumweltzentrums Mitte sind diese fünf Amphibienarten zu finden. Beide Gebiete beherbergen zudem die wichtigsten Quellpopulationen dieser Arten und werden von der Unteren Naturschutzbehörde regelmäßig überprüft. Nach den Ergebnissen unserer Erhebung kann man davon ausgehen, dass zumindest die mobileren Arten wie Erdkröte, Grasfrosch und Knoblauchkröte den gesamten Kleingartenbereich auch außerhalb der Laichzeit im Frühjahr als Lebensraum nutzen.


Teiche von ausreichender Größe helfen Bestände zu erhalten

Einen Überblick über den Beobachtungsstand der Amphibienvorkommen aus dem Jahr 2021 in der Kolonie Rehberge und den angrenzenden Gebieten haben wir in einer Karte dargestellt. Sie zeigt, dass Teiche in Kleingärten bei ausreichender Größe, Fischfreiheit und Strukturreichtum wie etwa durch Röhricht und Unterwasservegetation einen wichtigen Beitrag zum Bestandserhalt und zum Individuenaustausch zwischen den Teilpopulationen leisten.

Leider ist es aber auch so, dass, mit Ausnahme des Teichfrosches, nicht nur an den Hauptgewässern, sondern offensichtlich auch an Gartenteichen ein deutlicher Rückgang der Individuenzahlen zu verzeichnen ist.


Waschbären sind sehr problematische Gäste

Neben der Trockenheit der vergangenen drei Jahre spielt hierfür möglicherweise auch der Anstieg der Waschbärenanzahl im gesamten Volkspark eine Rolle. Die Gespräche, die wir als Rangerinnen mit den Gartenfreunden vor Ort führen konnten, bestätigen das. Denn neben der großen Freude über die gesichteten Amphibien haben uns einige von ihnen auch ihre Sorgen und ihren Unmut über die Aktivität des Waschbären in ihren Gärten mitgeteilt. Diese Rückmeldungen haben wir ernst genommen und zusammen mit dem Naturschutzamt entschieden, den Beobachtungsbogen zu erweitern. So haben wir nicht nur wertvolle Daten über die Amphibien, sondern auch über den Waschbären in der Kolonie erhalten.


Angefressene Lurche

Die Auswertung der Bögen und die Erfahrungsberichte der Gartenfreunde haben schließlich deutlich gemacht, in welchem Ausmaß und mit welchen Auswirkungen der Waschbär in den Kleingärten unterwegs ist. So wurden zum Beispiel immer wieder angefressene Amphibien beobachtet. Die übrigen Schadensmeldungen ähnelten denen aus anderen Gärten. Darunter vor allem umgewühlte Flächen, Schäden an Obst und Gemüse und Verlust bei Vogelbruten. Um dem Waschbären nicht noch zusätzlich das Leben zu erleichtern, ist es umso wichtiger, ihn nicht zu füttern. Hilfreich ist es auch, Nistkästen und -bäume abzusichern und ihm während der Laichzeit der Amphibien ab Ende Februar den Zugang zum Teich zu verwehren.


Kleingärten sich wichtig für Datenerhebung

Unsere Zusammenarbeit mit den Gärtnerinnen und Gärtnern der Dauerkolonie Rehberge hat gezeigt, wie wichtig diese für die Datenerhebung und damit auch für den Schutz unserer heimischen Amphibienarten ist. Für das große Engagement und das Interesse der Gartenfreunde an unserer Aktion möchten wir uns bedanken. Unser besonderer Dank gilt dem Vereinsvorstand, ohne dessen Unterstützung die Erfassung der Amphibienarten in den Gärten der Kolonie nicht möglich und lange nicht so erfolgreich gewesen wäre.


Dr. Laura Damerius und Simone Völker, Projekt Stadtnatur-Ranger der Stiftung Naturschutz Berlin

Christian Klemz, Umweltamt, BA Mitte