Bezirksverband Spandau der Kleingärtner e. V.
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Verfasst am 04.07.2019 um 12:58 Uhr

Lichtverschmutzung auch im Kleingarten?

Gartenlampen mit Leuchtdioden (LED) und ihre Stromzufuhr sind in der heutigen Zeit erschwinglich geworden. Viele Menschen beleuchten deshalb ihren Garten des nachts mehr als früher. Leider ist zu viel Licht bzw. Licht zur falschen Zeit und in unnatürlicher Wellenlänge mitverantwortlich für das Sterben und Verschwinden von zahlreichen Insektenarten bei uns in Europa. Man spricht von Lichtverschmutzung oder Lichtsmog.

Wie reagieren die Tiere auf die zunehmende Beleuchtung in den Gärten und Städten? Die meisten nachtaktiven Tiere werden durch künstliche Beleuchtung in der Nacht beeinflusst: durch Laternen an Koloniewegen, durch die Außenbeleuchtung an Lauben und durch bodennahe Wegeleuchten.


Kunstlicht wird zur Falle

Eine Studie* der Universität Potsdam hat sich mit der Wirkung von LED-Beleuchtung auf das Verhalten von nachtaktiven Insekten näher beschäftigt und die Populationsgröße und die Artenzusammensetzung analysiert. Dass Motten und andere fliegende Insekten vom Licht angezogen werden, ist vielen bekannt. Aber was machen die Bodentruppen? Forscher haben Laufkäfer, eine Insektengruppe, die am Boden lebt, untersucht. Sie haben herausgefunden, dass manche Käferarten bei Beleuchtung über bodennahe Wegelampen sämtliche Aktivitäten einstellen und andere jedoch von dem Licht „magisch“ angezogen werden und nicht ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen. 


Artenvielfalt bedroht

Nachtaktive Arten von Laufkäfern verkümmern daher unter Beleuchtung oder werden schneller Opfer von Fressfeinden. Ihre Populationsgröße nimmt ab. Und was machen die tagaktiven Insekten? Unter künstlicher Beleuchtung können tagaktive Arten nachts weitermachen. Die Wissenschaftler befürchten, dass sie dadurch zur Beute von tierischen Nachtjägern werden können, die sie unter natürlichen Bedingungen nicht „treffen“ würden. Bei mehreren Arten verschiebt sich daher das Räuber-Beute-Verhältnis. Viele Laufkäferarten gelten bereits als stark gefährdet.

Helfen Sie mit, Lichtverschmutzung zu verhindern und vermeiden Sie nachts künstliches Licht im Garten. „Sieht doch aber schön aus“ ist kein Argument der kleingärtnerischen Nutzung. Schalten Sie bitte „Schmuckleuchten“ nachts aus. Besonders schädlich sind Leuchtkörper, die einen hohen Anteil von blauem Licht haben. Zum Beispiel LED-Lampen, die ein kaltes, weißblaues ausstrahlen, tragen massiv zur Lichtverschmutzung bei und haben eine verheerende Wirkung auf Insekten. Diese Leuchten sollten aus allen Gärten entfernt werden.


Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied Fachberatung

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Dies ist ein Artikel aus dem Berliner Gartenfreund, Juni 2019, Seite 6/29. Online mit freundlicher Genehmigung des Verlag W. Wächter


*Eccard et al.,“Off‐grid: solar powered LED illumination impacts epigeal arthropods”, Insect Conservation and Diversity, Volume 11, Issue 6, 2018, Pages 600-607, Wiley online library


Foto (Ausschnitt): Jerzy Górecki auf Pixabay 

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